Lichtplanerin Mariana Theiling
ECE Projektmanagement - Hamburg

Die Sonne lässt grüssen ...

Am Anfang jeder Lichtplanung für die ECE-Einkaufsgalerien steht der natürliche Sonnenverlauf über den Tag und das Jahr

Wenn eine Holzkonstruktion so anmutet, als wäre sie aus Metall, wenn ein Seidenpapier am Baum zum Blatt mutiert, wenn sich Tages- und Jahreszeit innerhalb von zwei Stunden spürbar verändern, dann befinden wir uns im Theater. Licht verändert hier tief greifend die Raum- und Realitätswahrnehmung des Betrachters. Wenn die Wahrnehmung der Veränderung des Tageslichtes in Einklang mit dem tatsächlichen Tageslichtablauf steht, wenn das warme Braun des Parketts auch bei künstlicher Beleuchtung genau das Braun bleibt, das sich der Architekt vorgestellt hat, und das kühle Blau des Sommerkleides im Kunstlicht genau dem Wunsch-Blau des Modedesigners entspricht, dann sind wir auf Shopping-Tour – höchstwahrscheinlich in einer ECE-Einkaufsgalerie

1965 gegründet, entwickelt, plant und realisiert die ECE große Einkaufszentren und ist mit 90 Shoppingcentern im Management europäischer Marktführer. Beispiele sind u.a. die Promenaden Hauptbahnhof Leipzig, die Potsdamer Platz Arkaden Berlin, der Wiederaufbau der Braunschweiger Schloss-fassade verbunden mit den Schlossarkaden, das Alstertal Einkaufszentrum in Hamburg, Nova Eventis bei Leipzig sowie das Eastgate Berlin oder der noch in Bau befindliche Limbecker Platz Essen, Deutschlands größtes Innenstadtcenter. Wurden Center früher nach dem „Hundeknochenprinzip“ gebaut – links und rechts ein Kaufhaus, dazwischen eine Ladenstraße mit kleineren Geschäften – so gleicht heute keine Innenstadtgalerie der anderen. Verän-derungen im Einzelhandel und komplizierte Grundstücksverhältnisse in den Städten machen völlig individuelle Grundrisse nötig. Nicht selten werden bei den Fassadenentwürfen Architektenwettbewerbe durchgeführt, in anderen Fällen steht die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz im Vordergrund. Doch neben der architektonischen Gestaltung spielt das Medium Licht in zunehmendem Maße eine gewichtige Rolle.

„Die Wahrnehmung der Veränderung des Tageslichtes über den Tagesverlauf ist eine wesentliche Qualität unserer Shopping-center“, erläutert Lichtplanerin Mariana Theiling vom ECE Baumanagement die ECE-Lichtphilosophie und führt weiter aus: „Das richtige Verhältnis von unterschiedlichen Helligkeiten schafft die Voraussetzung, sich im Center wohl zufühlen und das Ladenangebot ungestört wahrzunehmen.“

So steht denn auch am Anfang einer jeden Lichtplanung die Sonne. Ihr Verlauf über den Tag und das Jahr bestimmt das Verhält-nis von offenen und geschlossenen Flächen im Dach, die Ausrichtung und Ausformung von Oberlichtern und deren Materialität. Und das bei jedem Projekt aufs Neue. Häufig wird ein detailliertes, materialechtes Modell gebaut und die Lichtwirkung unter dem künstlichen Himmel untersucht. Auch die Investoren schätzen die Modelle, lassen sich mit ihnen doch Lichtwirkungen realitätsnah visualisieren und vermitteln: „Selbst den Kopf reinstecken, ist immer noch besser, als am Computer sehen. Man kann den Raum regelrecht fühlen,“ beschreibt die Planerin die Simulationsqua-lität von Modellen.

Ebenso, wie sich das natürliche Licht über den Tag dynamisch verhält, soll sich auch die künstliche Beleuchtung an den natür-lichen Vorgaben orientieren: Mit einer differenzierten Lichtregelung unterstützt das Kunstlicht den Tageslichtverlauf. „Wir haben über den Tag einen Ablauf von verschiedenen Helligkeiten und Farben, der dem natürlichen Lichtempfinden des Menschen entspricht“, so Mariana Theiling. Die Lichtstimmung ändert sich vom Sonnen-aufgang zum hellen Tageslicht über eine Dämmerungsbeleuchtung hin zur warmen Nachtstimmung – kaum wahrnehmbar aber fühlbar angenehm für die Besucher. Nachdem einige Einkaufsgalerien in die Jahre gekommen sind, werden immer mehr Modernisierungsmaßnahmen notwendig, zum Beispiel die jüngst abgeschlossene Erweiterung des 35 Jahre alten Alstertal Einkaufszentrums, eines der ersten Deutsch-lands. Neben der verbesserten und energie-effizienteren Lichttechnik sticht das unter-schiedliche Helligkeitsniveau beim Vergleich von Alt und Neu vor der Modernisierung ins Auge. „In den Läden hat die Helligkeit über die Jahre stark zugenommen. Deshalb heben wir das Allgemeinbeleuchtungsniveau grundsätzlich so an, dass sich der starke Kontrast aufhebt.“ Aber auch die Kombination von gerichtetem und diffusem Licht und das Einblenden von Raumbegrenzungsflächen ist bei älteren Shoppingcentern eher die Ausnahme. Meistens wurde das Licht früher ausschließlich auf den Boden gelenkt – besonders auffällig in den Bereichen, die wenig oder gar kein Tageslicht erhalten, wie beispielsweise Untergeschosse oder Zugänge zu den Parkdecks. Heute schaffen hier indirekte Lichtsysteme, Lichtdecken oder Voutenbeleuchtungen eine helle, freundliche Raumatmosphäre.

Da die Einkaufszentren in der Regel nach ihrer Fertigstellung von der ECE betrieben werden, gilt auch der späteren Wartung der Anlage höchste Aufmerksamkeit in der Planung: Die Beleuchtung muss zugleich wirtschaftlich und einfach handhabbar sein. „Hinter jedem Konzept, das wir entwickeln, steht sofort die Frage nach der Wartungsfreundlichkeit,“ erklärt Mariana Theiling. Zum Beispiel wurde für das Braunschweiger Center ein spezielles Wartungssystem ent-wickelt, das die effektive Handhabung der 90 Meter langen Lichtdecke sicherstellt. Hierfür gab es eigens mit dem verantwort-lichen Center-Inspektor Wartungstests im 1:1 Modellversuch.
Für Millionen von Menschen zählt Shopping heute zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen, und die Einkaufsgalerien haben die Innenstädte erobert. Wurde zwischen 1964 und 1995 noch ein Viertel aller Einkaufszentren auf der „Grünen Wiese“ gebaut, so waren es 2005 gerade einmal noch vier Pro-zent. Darunter Nova Eventis in Günthersdorf bei Leipzig, eine Shopping Mall als insze-nierter Erlebnisraum. Nicht eingebunden in den städtischen Kontext wird Nova Eventis weithin sichtbar mit der Klaviatur lichtszeno-grafischer Möglichkeiten bespielt: Eine Licht- und Klanginstallation empfängt den Besu-cher, leitet ihn über einen schwebenden, gebogenen Steg in das Herz der Mall und erzeugt dabei die Illusion einer tiefblauen Unterwasserwelt … alles in bester Theatermanier!

Andrea Rayhrer, Stuttgart

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