Prof. Andreas Schulz, Bonn

Im Dienst der Architektur

Architektur mit Licht erfüllen, Gebäude in Szene setzen, Raumstimmungen erzeugen – mit undogmatischen und gedanklich-flexiblen Lösungen entwickelt das Planungsbüro Licht Kunst Licht Lichtszenographien für Museen und Verwaltungen, öffentliche Bauten und private Lebensräume. Der rationale Planungsansatz des Büros, vereint mit dem Wunsch, die Licht-Raum-Wirkung in den Vordergrund zu stellen, führte zu schnellem Erfolg und großem Renommee des Büros mit Sitz in Bonn und Berlin.

Wie sind Sie zum Thema Licht gekommen?
Andreas Schulz: Im Wesentlichen über meine Ausbildung zum Elektroinstallateur in einer kleinen Firma mit solider Handwerksleistung. Nach Abschluss meiner Lehre avancierte ich zum Spezialisten für die lichttechnischen Probleme der Kaufhäuser meiner Heimatstadt, die mein Arbeitgeber damals wartete. Dabei habe ich festgestellt, dass sich mit dem Thema Licht auf der Handwerksebene kaum einer auskennt. Während meines anschließenden Elektrotechnikstudiums habe ich versucht, mich auf das Thema Licht zu konzentrieren. Das war gar nicht so leicht, denn erst mit dem Lehrstuhl in Hildesheim gibt es die Möglichkeit, Lichtdesign zu studieren.

Was war die Initialzündung für die Gründung eines eigenen Büros?
Andreas Schulz: Eine wesentliche Antriebsfeder war, die Dinge, die mein Leben entscheidend gestalten, selbst mitbestimmen zu können. Und ich hatte den Wunsch, eine Komponente in die Lichtwelt hineinzubringen, die zu diesem Zeitpunkt aus meiner Sicht nicht richtig vertreten war: nämlich architekturintegrierte und vor allem eher rational orientierte Lichtplanung anzubieten, die weniger mit dem Ornament und der Leuchte arbeitet, als viel mehr mit dem Raum und der Lichtwirkung.

Wodurch wurde diese Haltung geprägt?
Andreas Schulz: Hier kommt meine preußische Herkunft durch. Ich bin zwar geborener Rheinländer aber Kind Berliner Eltern. Wir sind in unserer Familie eher nüchtern, rational und für das Schnörkellose. Diese frühe Erfahrung in der Kindheit hat meine Herangehensweise an die Lichtplanung sicher geprägt. Auf der anderen Seite habe ich eine große Affinität zur Wirkung von Dingen. Mich interessiert das Grundsätzliche in den Dingen, woher etwas kommt, die ursächliche Wirkung.

Wie hat sich Ihre Herangehensweise an Lichtarchitektur im Laufe der Jahre verändert?
Andreas Schulz: Vergleicht man unsere ersten Projekte mit den jüngsten, so kann man immer noch den roten Faden erkennen. Ich bin nicht der Meinung, dass sich unser Stil, mit Architektur umzugehen und Licht in sie hineinzubringen, grundsätzlich geändert hat. Wir sind uns sehr treu geblieben. Natürlich haben wir auch eine Affinität zu Strömungen, die von außen kommen, und werden dadurch beeinflusst. Aber trotzdem gibt es keine wesentlichen Veränderungen, außer der technischen Mittel, die natürlich ganz andere Möglichkeiten in der Lichtplanung bieten, als vor 15 Jahren.

Was muss eine gute Lichtplanung leisten können?
Andreas Schulz: Aus meiner Sicht steht eine gelungene und von den Benutzern akzeptierte Raumatmosphäre an erster Stelle. Wenn dies im Einklang mit der Architektur und der adäquaten Integration der Lichtelemente gelingt und sich der Architekt in der Raumwirkung wiederfindet, dann ist ein zweites wichtiges Kriterium erfüllt. Und last but not least, die Beleuchtung muss ökonomisch sinnvoll sein.

Die Einsparung von Energie und die Reduktion der Kosten spielen heute eine wesentliche Rolle. Welche konkreten Auswirkungen hat das auf die Planung?
Andreas Schulz: Eine Konsequenz ist, dass die Planung – wenn sie von Unbedachten ausgeführt wird – in den meisten Fällen schlechter wird. Werden die Energiekosten zum Hauptplanungsparameter, ist der Gestaltungsspielraum für diejenigen extrem eingeschränkt, die es nicht gewohnt sind, über Kreativität Konzepte zu entwickeln. Meist werden dann zwar hocheffiziente Leuchten eingesetzt, welche die Anschlussleistung pro Quadratmeter senken, doch das Erscheinungsbild der Räume bleibt immer gleich langweilig. Nur mit Kreativität kann man trotz geringerer Anschlussleistung vernünftige Konzepte erzeugen.

Was macht die Qualität des Büros Licht Kunst Licht aus?
Andreas Schulz: Mit unseren Planungsansätzen stellen wir uns vor allen Dingen in den Dienst der Architektur und in die Entwurfsabsicht der Architekten. Wir wollen in keinem Fall mit unserem Beleuchtungsentwurf der Architektur einen zusätzlichen gestalterischen Stempel aufdrücken. Wir haben das große Glück, in den meisten Fällen als gewünschte Partner im Projekt mitzuarbeiten. Anders als die gebeutelten Kollegen der Haustechnik und Statik machen wir Dinge möglich und müssen nicht mit Hiobsbotschaften für den Eindruck sorgen, Dinge verhindern zu wollen. Unsere Beiträge werden deshalb immer als positive, das Projekt bereichernde Vorschläge gesehen. Dieses große Glück wissen wir zu schätzen und entwickeln daraus natürlich auch unsere Kraft und Leidenschaft.

Das Gespräch führte Andrea Rayhrer, Stuttgart

Website von Prof. Andreas Schulz